Die Drakensberge

 

SPONTAN INS NÄCHSTE LAND GESTOLPERT…

Auch wenn es mir schwerfällt, Ballito und vor allem den Strand zu verlassen, zieht es mich doch weiter – dieses Mal in die Berge – genauer gesagt: Die Drakensberge. Schon der Weg dahin ist laaaang, aber vielversprechend. Nach etwa 8 Stunden Fahrt, total kaputt, kommen Vicki und ich endlich im Amphitheatre an. Die Dorms sind bereits ausgebucht, macht aber nichts –  wir nehmen ein Zweibettzimmer. Endlich wieder WLAN, ein Terrasse nur für uns, die Küche in der Hütte gegenüber und das Badezimmer ist auch nur etwa 30 Meter entfernt. Da das Personal mehr auf Pauschaltouristen statt auf Individualreisende ausgerichtet ist und die Preise ziemlich überteuert sind, beschließen wir nach zwei Nächten chillen auf eigene Faust nach Lesotho zu fahren.

The Kingdom in the Sky („Das Königreich im Himmel“)

Geographie war nie mein Lieblingsfach, was dem langweiligen Lehrplan und sorry – den nicht wirklich kreativen Lehrern zu verschulden ist. Wir sollten eine Weltreise mit in den Lehrplan aufnehmen, liebes Bildungsministerium… 😉

Ich jedenfalls habe zuvor noch nie etwas von Lesotho gehört. Zugegeben, das Land ist von Südafrika umschlossen und so winzig wie Belgien. Es hat gerade einmal so viele Einwohner wie München und Erding zusammen (= 2 Mio; zum Vergleich: Belgien hat 11 Mio Einwohner). Zudem liegt Lesotho verdammt weit oben: 1400 – 3500 Höhenmeter, was den Spitznamen erklärt. Es ist eine ganz andere Welt hier oben …

… wie eine Reise in die Vergangenheit …

Dafür gibts auch gleich einen neuen Stempel in den Pass – oder besser gesagt Vier: Ausreise aus Südafrika, Einreise nach Lesotho und das Ganze umgekehrt. Ob wir mit dem Leihauto überhaupt das Land verlassen dürfen? Keine Ahnung – nur passieren sollte uns wohl besser nix im Königreich …

Dieses Mal sucht Vicki die Unterkunft aus – die Malealea Lodge soll es sein. Tiiief durchatmen, Sara – denn die Lodge ist am Arsch der Welt – die Straßen, oder sagen wir eher Schotterpisten der reinste Horror. Wenn wir hier stecken bleiben, dann findet uns niemand und wenn, kann die Person sicher kein Englisch… aber gut, ich bin ja für jedes Abenteuer zu haben. Gemeinsam rollen wir mit 20 km/h nach Malealea…

Neues Land, neue Währung, neues Mobilfunknetz (das heißt, kein Internet), neue Sprache, neue Sitten… Am Arsch der Welt gibt’s natürlich auch kein gescheites WLAN (3 € pro 100 MB), Strom gibt’s nur bis 22 Uhr in der Bar, Wasserkocher, Toaster, Haartrockner und Co. sind strengstens verboten und ach ja – Einkaufsmöglichkeiten sind mit einem Tagesausflug verbunden. Aber ey – irgendwie auch cool so ganz ohne alles. Vicki und ich nehmen uns gemeinsam eine Hütte. Zwei Betten, ein Nachttisch und eine Kerze – mehr hat hier nicht Platz.

„Die Steigerung von Leben heißt: Erleben“
Erich Limpach

Ausgeruht und ausgeschlafen machen wir am nächsten Tag eine achtstündige Wanderung mit einem einheimischen Wanderführer – ohne darf man hier nicht los. Zu dritt durch die Weiten Lesothos – bei Sonnenschein und blauem Himmel bergauf und ab. Traumhaft… Tomes – ich glaub so oder so ähnlich hieß unser Guide – durchlöchern wir mit Fragen über Sitten und Bräuche. Er ist Mitte Zwanzig und lebt ein Leben wie es unterschiedlicher nicht sein könnte. Nach etwa 5 Stunden treffen wir das erste Mal auf eine Gruppe Wanderer – seltsam bunt gekleidet wirken diese Passanten eher wie reiche Städter, die eher nicht so aussehen als hätten sie die Wanderung geplant. Tomes erzählt uns nachher, dass dies Mitglieder des Parlaments sind, die sich hier ein Bild der Einheimischen machen wollen… Echte Promis… und wir keine Fotos…

Auf dem Weg zurück in die Zivilisation fängt plötzlich das Auto an zu qualmen – Shit! Kein Google zur Hand, weit und breit niemand zu sehen, die Motorhaube lässt sich nicht öffnen und im Handbuch steht auch nichts Brauchbares… Na toll, zwei Blondinen, ein qualmendes Auto und das ganze auch noch am Arsch der Welt… Ok, Ruhe bewahren.. Wir lassen einfach das Auto etwas abkühlen und fahren dann langsam weiter…

… Das klingt nach einem Plan!

Werbeanzeigen

Durban

 

… UND DIE 4 ELEMENTE…

In Vietnam cruise ich mit dem Motorrad von Nord nach Süd, in Nepal wandere ich den Annapurna hoch und wieder hinunter und in Südafrika reise ich von Westen nach Osten an der Küste entlang. In allen drei Ländern treffe ich hier und da immer wieder auf die gleichen Leute – auch ganz ohne Absprache. Das heißt, besser immer Freunde statt Feinde machen..

 

Das ist die perfekte Welle. Das ist der perfekte Tag. Lass dich einfach von ihr tragen. Denk am besten gar nicht nach…

In meiner vorletzten Destination Chintsa habe ich die Schweizer Andrea und Manuel kennengelernt. Auch in Coffee Bay treffe ich die beiden wieder und wir quatschen über die nächsten Stationen. Wie immer ohne Plan weiß ich nur, ich will nach Durban, ans Meer und hoch hinaus.

Da Manuel in Südafrika die Liebe zum Surfen für sich entdeckt hat, weiß er, dass ganz in der Nähe von Durban ein weltweiter Surfwettbewerb stattfindet – in Ballito. Da brauche ich gar nicht lange überlegen, springe ins Auto und checke kurzer Hand ins Monkey Bay Backpackers ein. Der Inhaber ist super cool, die Atmosphere tiptop, der Strand in Sichtweite und  heiße Surfer wohin das Auge reicht. Ein riesen Event – eine ganze Woche lang! Jeden Tag am Strand chillen und den Surfern beim Wellenreiten zusehen. Leider hat es mich gleich in der ersten Nacht erwischt, weshalb ich den Strand nur in langen Hosen, Socken, dicken Pulli und Mütze besuche während sich alle anderen halbnackt in der Sonne ahlen.. scheiß drauf – Hauptsache Strand, Meer und Entertainment…

 

Mann mit Grill sucht Frau mit Kohle…

Abends heizen wir uns beim typischen Brai (Grillen auf Südafrikanisch) gemütlich ein oder gehen feiern in den nahegelegenen Clubs, die aufgrund der Ballito Pro auch rappelvoll sind – zugegeben, eher mit 18jährigen Surfern, aber das ist ja in Deutschland auch nicht anders, zumindest das Alter – Surfer sind da ja eher rar…

 

Und ich flieg, flieg, flieg wie ein Flieger…

Ich bin nur mit einem Seil an meinen Beinen bestückt von der Brücke gesprungen, dagegen ist der Sprung aus dem Flieger mit einem Profi im Rücken doch ein Kinderspiel.

Doch schon der Weg zum Durban Skydive Center ist nicht gerade einfach für zwei orientierungslose Mädels irgendwo im nirgendwo. Wir brauchen statt einer Stunde anderthalb, verpassen unseren Sprung am Morgen und müssen warten bis alle anderen gesprungen sind. Das Beste kommt halt eben zum Schluss, nicht wahr, Andrea?!

Es ist traumhaft schön und könnte noch viiiiiiiel länger gehen. Ich fliege den Gleitschirm später sogar selbst (Siehe Fotos). Da braucht man ganz schön Muckies. Fliegen macht süchtig. Definitiv Wiederholungsbedarf!

Ein Abenteuer jagt das Nächste! Denn auf dem Rückweg geht uns das Benzin aus.. uuuupsiii… da habe ich wohl etwas übersehen… Am Seitenstreifen wartend, bringt uns Baywatch-Hero Manuel glücklicherweise das rettende Benzin – Besten Dank!

 

Auf dem Boden der Tatsachen liegt eindeutig zu wenig Glitzer…

Nach einer Woche Ballito heißt es schweren Herzens Auf Wiedersehen liebes Meer und weiter geht’s…

 

Bungeeeeeeee Juuuuuuummmmp

23. JUNI 2017: Ich HABE MICH HEUTE IN DIE TIEFE GESTÜRZT..

Bloukrans Bridge Southafrica

Wir waren schon ein paar Tage früher hier in Storms River und haben den Anderen beim Springen zugesehen. An dem Tag war mir irgendwie nicht nach so viel Action, stattdessen habe ich den festen Entschluss gefasst, zu springen – in Südafrika – von dieser Brücke – nur eben etwas später…

In Port Elizabeth mieten sich Vicki und ich ein Auto. Wir fahren den ganzen Weg zurück nach Storms River, um zu springen! Eine Nacht schlafen und dann soll es losgehen. Zugegeben, ich kann in dieser Nacht kaum schlafen. In meinem Kopf dreht sich alles und ich fange an zu googlen. Wie läuft der Sprung ab? Auf was muss ich achten? Was kann alles passieren?

Am nächsten Morgen berichte ich Vicki von meinen Recherchen. Sie hat Höhenangst und hasst mich zu tiefst für meine Berichte. Doch ich muss mich vorbereiten – seelisch und moralisch – ich muss einfach alles wissen…

…Ich will schließlich nicht dumm sterben… 

Viel Zeit bleibt nicht und zu allem Übel muss ich auch noch auf die Waage – oh nein! Das letzte Mal – in Nepal war die Überraschung positiv – da bin ich aber auch jeden Tag 6 Stunden gewandert. Ich hätte vorher nichts essen sollen…

Den Gurt angezogen und los geht’s zur Brücke. Der Weg dahin ist wirklich cool – zumindest für mich. Vicki sieht das etwas anders. Wir laufen auf einem Weg unter/neben der Brücke. Der Boden ist durchsichtig.

216 Meter Tiefe und da springen wir gleich herunter…

Zusammen mit zwei Pärchen bilden wir eine kleine Gruppe aus 6 Personen. Davon springen nur 4, wie sich später herausstellt. Das ältere Paar lebt in Mallorca ist aber ursprünglich aus Deutschland. Die Frau ist nur zur Unterstützung dabei. Der Mann spricht uns Mut zu, wobei er selbst noch nie gesprungen ist. Aber das gibt mir irgendwie Kraft. Ich glaube, ich war noch nie im Leben so aufgeregt, wie auf dieser Brücke.

Vickie springt als Erste – OMG! Ihr laufen die Tränen. Ihr Video ist zum Niederknien – vor Lachen! Ich kann nicht anders und springe nach ihr, bevor ich noch den Mut verliere. In Nullkommanix werden meine Füße zusammengebunden, ich hüpfe an das Ende der Brücke, werde gefragt, ob ich bereit bin – meine Antwort lautet „Nein“, aber kurz darauf heißt es schon:

3…2…1… und runtergeschubst…

Ich habe so viel gelesen, wie man am besten springt und was mache ich? Falle wie ein nasser Sack mit eingeknickten Beinen und zugehaltener Nase in den Abgrund… Warum ich mir die Nase zu halte? Das muss daran liegen, dass mir kurz vorher jemand gesagt hat, es ist wie in einen Pool zu springen… Tzzz…

Während ich fliege, denke ich: „Augen auf! Augen auf! Genieße es! Sieh dir genau an, wo du hinfliegst! Wo ist eigentlich das Meer? Wo ist das Meer?“ Und schon vorbei… Ein paar Minuten später werde ich eingesammelt und habe wieder festen Boden unter meinen Füßen. Vor lauter Adrenalin kommen mir die Tränen. Freudentränen… OMG… das war UNFASSBAR…GEIL!

Der letzte in der Runde macht einen Rückzieher und springt tatsächlich nicht. Dabei hat er vorher ausgiebig Trockenübungen gemacht… So schade, er verpasst den Sprung seines Lebens.

Das Video gibt’s hier: www.facebook.com/reisara

Die Gardenroute

Gardenroute

… EINE SPONTANE WOHN- & FAHRGEMEINSCHAFT ZU DRITT …

Kurzer Hand überrede ich Bruce (kennengelernt in meinem zweiten Kapstadt-Hostel: Atlantic Point) und Vicki (kennengelernt in Low Budget Hostel Nr. 3 in der Long Street) gemeinsam einen Roadtrip entlang der Gardenroute zu machen. Zehn Tage (vom 13. – 22. Juni) geht es gemeinsam von Kapstadt Richtung Port Elizabeth.

Erster Stop ist in Gaansbay (direkt am Meer zwischen Hermanus und Mossel Bay). Das gute an der Nebensaison ist – wir haben ein ganzes Apartment nur für uns – mit Billiard-Tisch, Küche, zwei Badezimmern und das Beste, der Kamin ist gleichzeitig ein Grill – ja richtig – wir haben einen Steinofen-Grill im Wohnzimmer! Der Oberhammer, oder?!

…Frau mit Grill sucht Mann mit Kohle…

Das Meer ist ein bisschen unruhig und wir müssen einen Tag länger auf unsere Tauchaktion warten. Kein Problem, wir fahren spontan an den wirklich südlichsten Punkt Afrikas – nein, das ist nicht das Kap der guten Hoffnung, sondern Cape Agulhas. Hier treffen der Indische – und der Atlantische Ozean aufeinander – schon irgendwie beeindruckend! Bis auf zwei andere Touristen, ist hier weit und breit niemand zu sehen.

Neuer Tag – neues Glück! Heute gehe ich auf Knutschkurs mit einem ganz besonderen Freund…

“GO DOWN!!! NOW!!!” Ich war noch gar nicht bereit, so ein Stress! Ähhh – ok – Luft holen, anhalten und abtauchen – kaum unter Wasser kommt ein Hai direkt auf mich zu geschwommen! Ich konnte sie alle sehen – bis zum letzten Backenzahn. Die Kamera in der Hand vergesse ich glatt meinen Zeigefinger Richtung Auslöser zu bewegen! Fuck – das war Wahnsinn! Total überwältigt, weiß ich gar nicht, ob ich noch einmal abtauschen will… Ok, nicht zu viel darüber nachdenken, einfach machen – Luft holen, anhalten und abtauchen. Die nächsten Male kann ich neben dem Kopf auch den ganzen Körper der Haie begutachten – sie schwimmen ganz lässig am Käfig vorbei. Ich kann ein bisschen mehr entspannen, wobei ich nicht genau weiß – wohin eigentlich mit meinen Armen und Beinen…

nur ein Stück außerhalb vom Käfig und meine erste Bekanntschaft verspeist mich zum Mittagessen…

Den genialen Indoor-Grill lasse ich schweren Herzens hinter mir (wäre ich allein unterwegs, hätte ich hier noch ein paar Tage dran gehangen und euch direkt an meinen Abenteuern teilhaben lassen. Aber irgendwann finde ich schon Zeit für meinen Blog – auch wenn es erst in Neuseeland ist…HAHA).

Keine Zeit verlieren, weiter geht’s nach Mossel Bay (Siehe Karte oben). Hier liegt der Hund begraben und nach nur einer Nacht zieht es uns weiter naaaaachhhhh Wilderness. Hier ist es richtig schön – und das Beste – das Zimmer hat eine Heizung – finally. Schon das ist ein Grund, länger zu bleiben.

Lass dich nicht unterkriegen – sei frech und wild und wunderbar…

In Wilderness ist der Name Programm! Auch hier ist nicht viel los, außer Cricket spielender Rentner und einer süßen kleinen Bar. Nach meinem letzten Glas Wein (ok, es waren vermutlich 5 letzte Gläser…) und neuen Bekanntschaften, an die ich mich am nächsten Tag nur noch schwach erinnern kann, führt uns Vicki – die Jüngste, aber Vernünftigste der Runde – wieder zurück in unser kuschelig warmes Hostelzimmer.

Mit einem gescheiten Hangover geht es am nächsten Tag nach Oudtshorn ins Landesinnere. Noch nicht ganz nüchtern und Macht der alten Gewohnheit, fahren wir ein Weilchen auf der rechten, statt der linken Spur… aber ich kann euch beruhigen.. nix passiert und nein, nicht ich bin gefahren, nach einem kurzen Schreck sind wir alle wieder wach und bereit für das nächste Abenteuer.

Erster Stopp ist eine Ostrich-Farm – zu deutsch hier gibt es Sträuße und zu meiner Überraschung auch zwei Giraffen. Meine beiden Begleiter schwingen sich nach kurzem Zögern auf einen der Sträuße und reiten diesen für gefühlte dreißig Sekunden. Ich, als derzeitiger Semi-Vegetarier lasse dieses Abenteuer ausnahmsweise mal aus.

Giraffen brauchen nur eine halbe Stunde Schlaf. Würde ich so wenig schlafen, hätte ich auch so einen Hals… (webfail.de)

Die nächste Aktion lässt nicht lange auf sich warten. Die beiden überreden mich eine Höhlen-Abenteuer-Tour zu machen. Nach den gefühlten zehntausend Höhlen in Asien, habe ich mir eigentlich geschworen, kein Geld mehr für Höhlen auszugeben, aber gut.. in Afrika habe ich ja noch Keine von innen gesehen. Und ich kann nur sagen: Vielen Dank liebe Vicki! Es war wirklich eine Abenteuer-Höhlen-Wanderung vom Feinsten – nix für Klaustrophobiker oder Übergewichtige – ich bin Gott sei Dank nicht stecken geblieben – doch noch schlank und rank genug…puhhh…

Fürchte dich nicht langsam zu gehen, Fürchte dich nur stehen zu bleiben…

Keine Zeit für Pausen, denn es geht schon wieder weiter nach Plettenberg! Hier habe ich meinen absoluten Lieblingsplatz gefunden: Ein Badezimmer vom Allerfeinsten! Luxus pur für kleines Geld. Das Hostel war ausgebucht und nur noch die Suite stand zur Verfügung – traurig, ich weiß— Der Inhaber ist ein Schatz und gibt uns diese für den Dorm-Preis! Ein Traum wird war – schwuppdiwupp verziehe ich mich für ein paar Stündchen ins Badezimmer und genieße die Aussicht ganz für mich alleine… Nach 5 Monaten Low Budget Reise kommt mir das gerade sehr gelegen. In diesem Hostel könnte ich ewig bleiben. Nachdem mir der Inhaber einen Job anbietet, überlege ich tatsächlich ein paar Wochen zu bleiben, aber… hier ist es mir dann doch zu kalt und ich ziehe weiter…

Vorletzter Stopp ist das Island Vibe in Jeffreys Bay. Hier gibt es heiße Surferboys, Luxus für die Haare, und Golf für Amateure. Es ist wirklich cool, aber zugegebener Maßen gehen wir uns alle langsam auf den Keks. 24 Stunden aufeinander hocken war noch nie mein Ding und ich freue mich zugegebener Maßen schon auf den letzten Stop in Port Elizabeth.

Für unseren “Fahrer” endet hier der Urlaub und es geht zurück in die Heimat. Und wie geht es für mich weiter?

Mein Motto ist und bleibt: Der Plan ist, keinen Plan zu haben.

Wo ist eigentlich Nepal?

…ZWISCHEN BERGEN UND SEEN, SONNE UND SCHNEE…

 

1.3 Milliarden Menschen und 45 Grad im Schatten veranlassen mich zum kleinen Bruder zu fliegen. Ein Einheimischer hat Nepal mir gegenüber als Extension Indiens bezeichnet. Er arbeitet in der IT-Branche, was Einiges erklärt. Zugegeben, vor meiner Reise im Januar wusste ich nicht, wo Nepal eigentlich liegt… peinlich, aber Geografie war zu Schulzeiten nicht gerade innerhalb meines Interessengebietes…

Direkt am Flughafen in Kathmandu lerne ich einen Einheimischen kennen, der mir die wichtigsten Fakten über die Hauptstadt und das Land erzählt. Ich habe nur indische Rupien, was ihn dazu veranlasst, mir das Busticket zu bezahlen und dem Busfahrer zu erklären, wo er mich rauslassen soll. Oh mein Gott – schon am ersten Tag treffe ich so nette Menschen hier.

Die Extension gefällt mir jetzt schon besser als der große Bruder.

Kathmandu ist schmutzig, staubig und die Straßen die reinste Katastrophe. Vor zwei Jahren gab es hier ein heftiges Erdbeben und die Menschen sind immer noch dabei alles wieder aufzubauen. Trotz alledem gefällt es mir hier direkt auf den ersten Blick. Wie immer völlig unvorbereitet und unwissend stürze ich mich ins Abenteuer und fahre auf Empfehlung meiner Zimmergenossen nach Pokhara. Der Bus braucht für 200 Kilometer ganze 8 Stunden – unvorstellbar in Deutschland, oder? Die Straßen hier machen es möglich.. Die ersten zwei Stunden schlafe ich, die restlichen 6 Stunden schnattere ich ohne Punkt und Komma mit meinem Sitznachbarn – einem Tourismus-Studenten, der alle sechs Monate seine Familie auf dem Land besucht. Er erzählt mir, wie es ist, in Nepal aufzuwachsen und zu leben. Er hat große Visionen und möchte seinem Land, Familie und Freunden helfen, ein besseres Leben zu führen.

Ich bin wie ausgewechselt.

Nach dem Auf und Ab der letzten Wochen kann ich meine Reise endlich wieder vollends genießen. Pokhara ist der perfekte Ort, um runterzukommen. Apropos runter kommen. Hier gibt es den längsten und steilsten Zipflyer der Welt (Typische Marketing-Superlative), was mich dazu bewegt, diesen direkt auszuprobieren (Marketing-Opfer).

Außerdem gibt es einen Aussichtspunkt, der bei Sonnenaufgang besonders schön sein soll. Ich überrede meine neu gewonnenen Pokhara-Freunde und wir machen uns um zwei Uhr nachts auf den Weg nach Sarankot. Dank meines fehlenden Orientierungssinns wird es eine Abenteuer-Nachtwanderung der besonderen Art. Unsere Handys dienen als Taschenlampen und gegenseitig helfen wir uns durchs Gestrüpp. Eskortiert werden wir den gesamten Weg von einem Straßenhund, der spontan entscheidet uns den ganzen Weg zu begleiten – wir taufen ihn Leemee. Wir schaffen es nicht ganz bis nach Sarankot, was mich daran zweifeln lässt, ob es die richtige Idee ist, am nächsten Tag auf eine 10-Tages-Wandertour zu gehen…

 

Never try… never know…

Die Schuhe leihe ich aus, kaufe noch schnell eine dickere Jacke (Original North Face *Räusper*), eine Wasserflasche und einen “Geh-Stock”… Auf einen Schlafsack verzichte ich, es wird schon genug Decken geben. In der letzten Minute schlendere ich im strömenden Regen zur Touristeninformation, um mir meinen Bergpass und die notwendigen Genehmigungen zu holen. (Für den Fall, dass ich sterbe, haben sie meinen Notfallkontakt, meine Unterschrift, dass ich mir dessen bewusst bin, die Kosten für die Bergung zu tragen und wissen ungefähr, wo ich bin.) Auf dem Weg lerne ich wieder einen Einheimischen kennen, der mich fragt, ob er mit unter meinen Schirm kommen kann. Die 15 Minuten Fußweg waren ein wenig merkwürdig mit einem Fremden unter einem Schirm – aber es hat nunmal geschifft wie Sau und ich bin ja generell eine nette Person…

Auf geht’s! Der Berg ruft!

Lange Rede kurzer Sinn, entgegen jeden Reden, dass man uuuunbedingt einen Guide und einen Gepäckträger (eine Person, nicht zu verwechseln mit dem auf dem Fahrrad) braucht, nehme ich meinen Rucksack und mache mich auf den Weg. Im Bus nach Nayapul, dem Start meiner Wanderung, treffe ich einen Italiener, eine Spanierin und eine Engländerin. Schwuppdiwupp habe ich Wanderfreunde für die nächsten drei Tage. Als Alleinreisender bist du niemals allein, es sei denn, du willst für dich sein. Auf dem Weg zum Poonhill dachte ich kurzzeitig ich muss sterben – 3.000 Stufen um 4 Uhr morgens – vor dem Frühstück! Aber es lohnt sich, die Aussicht ist der absolute Wahnsinn. Leider habe ich – wie auch immerdar passieren konnte – alle Fotos vom Poonhill verloren…

Nur, wo du zu Fuß warst, warst du wirklich…

An Tag 4 trennen sich die Wege meiner internationalen Truppe, da die anderen den Rückweg antreten und ich mich auf zum Annapurna Base Camp mache: 4.130 m – höher als die Zugspitze (2.962 m). Der Annapurna selbst ist übrigens der zehnthöchste Berg der Welt und über 8.000 Meter hoch. Warum ich nicht zum Mount Everest Basecamp gewandert bin? Er ist auch „nur“ 800 Meter höher und der Trek ist um Einiges länger und teurer… Und außerdem muss ich mir noch ein Ziel für das nächste Mal aufheben.

Wer will mich begleiten? Freiwillige vor…

Es ist die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Die Wanderung ist mein absolutes Highlight. Ich bin nun wirklich nicht vorbereitet, geschweige denn fit. Aber meiner Meinung nach ist Trekking eher Kopfsache als Fitness. Auf dem Weg zum ABC begegne ich immer wieder den gleichen Leuten – wir werden zu einer kleinen Familie, laufen, schwitzen, frieren, essen, spielen Karten zusammen. Einige haben einen Guide und einen sogenannten Porter und Andere wiederum laufen wie ich auf eigene Faust durch die Prärie..

Essen, Wandern, Schlafen, Wiederholen…

Auf dem Rückweg lege ich noch einen Wellness-Tag ein. Tai Chi zum Sonnenaufgang und anschließend Relaxen in den Hotsprings – das habe ich mir verdient wie ich finde. Und das Beste – alles for free.

 

Facts & Figures:

Trek: Poonhill & Annapurna Basecamp ohne Guide und ohne Porter
Wander-Tage: 10
Stunden: 4 – 9 pro Tag
Schritte: 246.000
Kilometer: 157 km
Ausgaben pro Tag: etwa 15 € in der Low Season mit gutem Verhandlungsgeschick
Höchster Punkt: 4.130 Meter (Annapurna Basecamp (ABC))
Neue Bekanntschaften: 27
Verletzungen: Keine
Körperpflege: stark vernachlässigt
Verluste: Shorts und Regenjacke

Vielen Dank für dieses atemberaubende Erlebnis… Nepal ist ein absolutes Highlight meiner Reise. Die Luft, die Landschaft, die Berge, die Tiere und die Menschen, die ich auf meiner Reise durch die Berge getroffen habe. Ihr wart wie eine Familie für mich! Ein Abenteuer der Extraklasse! Ich komme wieder – definitiv! Nepal = Never end Peace and Love

Nächster Stopp: Kaaaaaaappstaaaaaadt!!!!

Glück schmeckt nach Abenteuern…

… UND WANDERLUST NACH UNENDLICHEN MÖGLICHKEITEN UND TRÄUMEN.

Meine neue Zimmergenossin ist Cleo aus den Niederlanden. Mit ihr verbringe ich zwei Tage voller Spiel, Spaß, Spannung und Schokolade!

Am Tag Ihrer Ankunft schnappen wir uns unsere zwei männlichen Zimmergenossen und schlendern zum Abendessen an den Strand. Auf die Hauptspeise verzichte ich nur um mir einen unvernünftigen Bananensplit zu gönnen – mhhh… Danach geht es in meine „Stamm-Bar“, die Freedom-Bar auf ein- oder zwei Cocktails. Beim Zubettgehen verabreden sich Cleo und ich für einen Ausflug am nächsten Tag.

Im Seven Eleven holen wir uns ein wenig Proviant für den Tag (Coconut Water und Coconut Cookies). Und auf geht’s gen Süden in den Nationalpark. Noch vor dem Park werden wir plötzlich überfallen! Die kleinen Gauner schnappen sich unser Proviant und öffnen die Kekspackung sowie die Flasche und lassen es sich schmecken. Das wars dann mit unserem Mittagessen. Erste Lektion gelernt…

Nach diesem Willkommensgruß starten wir unsere Erkundungstour durch den Nationalpark – das Wasser läuft uns den Rücken herunter – Eine Wanderung bei über 30 Grad ist wie ein Aufguss in der Sauna oder zwei oder drei oder…

Auf dem Rückweg halten wir in Old Town, wo wir ein süßes kleines Café/ Shop mit handgearbeiteten Taschen, Schmuck, Klamotten & Co finden: MaleeMalee! Jetzt wird gesündigt: Iced Chocolate und Schokokuchen.

Nach dem Prime Time Programm (Sonnenuntergang) finden wir auf unserer Scooter-Tour genau den richtigen Ort für das Abendessen. Ein Markt/ Festival (Whatever) auf einem Schulgelände. Wir mischen uns unter die Einheimischen und lauschen den Kindergesängen, beobachten die Männer beim öffentlichen Gebet und genießen das Essen, d.h. Cleo genießt, mir geht es mittlerweile gar nicht gut. (Im Heißhunger hatte ich doch ganz vergessen zu fragen, ob die Eisschokolade mit Milch gemacht wird. Um nicht näher ins Detail zu gehen, drücke ich mich so aus: Ich verbringe die Nacht nicht im Bett…) Aber was soll’s, nur Höhen und Tiefen machen einen Tag zum Abenteuer…